Hochwasser

Klimaschutz ist Hochwasserschutz

Ich bin aufgewachsen mit den Geschichten über die große Sturmflut von 1962. Diese Woche jährte sich diese Katastrophe zum 59. Mal. Mein Heimatdorf Bützfleth liegt hinterm Elbdeich und wurde von der Flut schwer getroffen. Teile der Gemeinde standen wochenlang unter Wasser. Der Schaden belief sich auf 2 Millionen DM. Damals schon! Schaue ich mir die alten Fotos an, sehe ich vertraute Häuser und Straßen unter Wasser. Vielleicht war ich mir deshalb der Gefahr des Wassers immer sehr bewusst.  

Höherer Pegel. Höhere Deiche. 

Der Klimawandel ist schon spürbar. Sturmfluten werden intensiver. Starkregenfälle nehmen zu. Die Pegelstände steigen. Die Elbvertiefung führt zu einer höheren Fließgeschwindigkeit und wohl zu einem größeren Tidenhub. Der Druck auf die Deiche wird zunehmen. Da fragen wir hinter dem Deich uns natürlich: “Ist alles sicher?” Enorme Summen müssen in den nächsten Jahren in den Hochwasserschutz an Küste, Elbe und Oste fließen. Doch wir alle wissen auch: Deiche können nicht unendlich hoch werden. Und Geld allein wird nicht reichen, wir brauchen Expertise für ein umfassendes Hochwassermanagement. Vor allem müssen wir aber endlich entschiedene Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen, denn hier bei uns weiß man immer schon, dass man vor Wasser nicht weglaufen kann.  

Wasser von beiden Seiten

Eine relativ neue Entwicklung für uns ist, dass das Wasser inzwischen von beiden Seiten kommt. Starkregen und zunehmende Oberflächenversiegelung bringen uns zunehmende Wassermengen aus dem Binnenland und in den den Flüssen. Wir bekommen auch von dieser Seite den Klimawandel zu spüren, müssen darüber hinaus beim Flächenverbrauch gegensteuern. Für die örtliche Politik wird es eine bleibende Herausforderung sein, dringendst benötigten Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig den Flächenverbrauch zu reduzieren. Hier wird der Bund klug fördern müssen, um Gründächer, Innenentwicklung und Reaktivierung von Brachen zu stärken. Es wird eine Vielzahl von Maßnahmen brauchen. Denn natürlich erwarten die Menschen zu Recht, dass wir Klimaschutz und Hochwasserschutz mit Lebensqualität und Bewahrung von Siedlungsstrukturen und Kulturlandschaft vereinbaren. Das wird eine der großen Herausforderungen der Zukunft für unsere Region sein. 

Klimaschutz eine Frage der Generationengerechtigkeit

Egal ob das mehr an Wasser nun aus dem Binnenland oder von der See kommt, der Klimawandel bringt es uns. Die Maßnahmen zum Hochwasserschutz und die Folgen von Hochwasser, Sturmfluten und Wetterextremen werden enorme Summen verschlingen. Hier müssen wir gegensteuern. Wir hinterlassen unseren Kindern – nicht erst den Enkeln – sonst eine zu große Hypothek. Klimaschutz ist die wohl entscheidendste Generationengerechtigkeit. Ich bin überzeugt, dass es nun darum gehen muss, Klimaschutz sozialverträglich zu gestalten – und das schnell! Klimaschutz wird nicht funktionieren ohne breite Akzeptanz in der Bevölkerung. Das 1,5°C Grad-Ziel ist nur zu erreichen, wenn alle mitziehen. Darum dürfen wir dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren. Das sind wir unserer Heimat und den nachfolgenden Generationen schuldig. 

Höher, immer höher reicht nicht

Veränderte Hochwasser – bedingt durch den Klimawandel – sind bereits Realität. Diese Entwicklung wird sich aller Voraussicht nach fortsetzen. Wir müssen hier gegensteuern, endlich und viel entschiedener als bisher. Unabhängig von allen künftigen Klimaschutzmaßnahmen werden wir in den kommenden Jahrzehnten aber die Auswirkungen  des Klimawandels zu spüren bekommen. Für uns bedeutet das, dass ein alter Feind wieder gefährlicher werden wird: das Wasser. Wir müssen unser Hochwassermanagement konsequent anpassen, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Gelingt beides nicht, werden einige Regionen Europas vermehrt Katastrophen zu erwarten haben. Dazu gehören wohl auch wir. Ganz abgesehen vom menschlichen Leid und der moralischen Verantwortung wird dies enorme wirtschaftliche Schäden nach sich ziehen. Da ist doch die Frage berechtigt, ob Schulden für dringend nötige Zukunftsinvestitionen in die digitale Transformation und Klimaschutz wirklich die größte Last sind, die wir unseren Kindern hinterlassen können? 

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